Glosse

Der Schmierstoff der Arbeit

»Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist, guten Kaffee zu trinken. Und wenn man keinen haben kann, so soll man versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hätte man guten Kaffee getrunken.« – Jonathan Swift, der Autor von »Gullivers Reisen«


Am Anfang war das Wort. Und das Wort war: »Kaffee«. Liebe Mitberufstätige, es ist nicht tragisch, wenn der Computer streikt, oder die Telefonanlage ausfällt. Instantanen Rabatz und krakeelende Rufe gibt es aber, wenn die Kaffeemaschine streikt. Dieses Gerät ist das Herzstück eines jeden Betriebs, die Achse um die sich alles dreht. So ein Kaffee fördert das Wohlergehen, die Konzentration, somit die Freude an der Arbeit und die Kollegialität.

Für die jüngeren Leser: Früher® war eine Kaffeemaschine ein Türmchen aus billigem Plastik, oben kam ein Filter und Kaffeepulver rein und unten eine Glaskanne. Aus dem Wassertank tropfte erhitztes Wasser auf das Kaffeepulver und mit Hilfe dieser Röchelbrüh-Methode füllte sich die Kanne langsam mit dem, was damals als Kaffee galt.

Heute sind wir Feinschmecker. Zwar habe ich neulich in einem bedeutenden Lifestylemagazin die erschreckende Aussage gelesen, wir Deutschen wüssten jetzt so viel über Kaffee wie in den 1970er Jahren über Wein, aber wir können dennoch höchst urban bei jedem Barista eine komplizierte internationale Kaffeespezialität bestellen.

So etwas will man natürlich auch in der Arbeit haben. Nicht jeder hat die Geistesstärke von Jonathan Swift. So kann spätestens ab Nachmittag niemand ohne koffeinhaltiges Gebräu auch nur einen geraden Strich in PowerPoint ziehen. Also her mit dem bei genau 9,8 bar und 92°C hergestellten Latte Macchiato. Und den bekommt man am besten aus einem Kaffeevollautomaten mit farbbildschirmunterstützter Menüführung. Wir hier haben so etwas und nennen den Kasten liebevoll »Tamagotchi«.

Wieder für die Jüngeren: Als es – im letzten Jahrtausend – noch keine Smartphones gab, war der Mensch gezwungen sich mit anderen Betätigungen die Stunden aus der Lebenszeit zu löschen. Da kam das Tamagotchi gerade recht.

Der arbeitssame Mensch steht also mit seiner Tasse vor dem Automaten, der verkündet:  

Tropfschale leeren
Was? Ist da unten schon wieder alles voller Kaffeesatz? Also rausnehmen und ausspülen. Und einsetzen.
Der Kaffeevollautomat spricht daraufhin:    

Entkalkungsprogramm überfällig. Das Gerät wird demnächst gesperrt
Neiiiiin! Gottseidank kann ich das überspringen. Es wird einen Kollegen treffen. Harrharrr!

So, die Zeit verrinnt, nun aber schnell Getränkeart, Tassenfüllstand und Kaffeestärke ausgewählt und auf den großen Knopf gedrückt.  

Für dieses Getränk nicht ausreichende Wassermenge
Große Tassen enthalten halt viel Kaffee. Nun gut, nichts leichter als das, Wasser ist schnell nachgefüllt aus der Entkalkerkanne (Unser Leitungswasser in München besteht im Prinzip nur aus weggespülten Alpen), die aber dummerweise auch leer ist und sich so langsam füllt wie früher die Kannen der alten Kaffeemaschinen.  

Wasserbehälter einsetzen
Jaja, mach ich schon, ich bin ja gerade dabei, Wasser einzufüllen. So jetzt aber. Ahhh! Der Kaffee schäumt in die Tasse, die Maschine brummt, die Maschine klackt, die Maschine verkündet:

Bitteschön
Und dann gleich:  

Brüheinheit reinigen
Ich schnappe mir meine Tasse und mache mich unauffällig davon. So ein Kaffee fördert das Wohlergehen, die Konzentration, somit die Freude an der Arbeit und die Kollegialität.

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