PowerPoint

PowerPoint macht doof – Gegenargumente

Da steht man nun, ist jung, dynamisch, hat eine gute Geschäftsidee und muss jetzt Geldgeber oder Kunden davon überzeugen, dass man der richtige Partner ist. Präsentieren ist fast so schwierig wie mit Porzellantellern jonglieren. Sie müssen viele Dinge gleichzeitig im Blick behalten und schnell fällt was zu Boden und zerbricht.

Schlagwortlisten sind gute Einkaufzettel, aber nicht zur Wissensvermittlung geeignet. Da herrscht kein Zweifel. Aber wer sagt, dass man mit PowerPoint solche Listen machen muss?

 

PowerPoint ist nur ein Werkzeug und wie es mit Werkzeugen so ist: Man muss damit umgehen lernen. Wer nicht schweißen kann, wird eine Schweißnaht erzeugen, die dem üblichen PowerPoint-Vortrag entspricht: Löchrig, schief, wackelig und die Einzelteile halten nicht wirklich zusammen.

 

Eine alte Tradition des Kulturpessimismus ist es, neue Medien zu verteufeln. Im 18. Jahrhundert wurde vor der Lesesucht gewarnt. Der Konsum von Romanen würde »unüberwindliche Trägheit, Ekel und Widerwillen gegen jede reelle Arbeit« hervorrufen, am Anfang des 20. Jahrhunderts stand die Ablehnung des Kinos, dann wurde das Radio als gefährlich eingestuft. Es folgten sehr prominent das Fernsehen und natürlich jüngst das Internet als ausgemachte Ursachen für den Verfall der Menschheit.

 

Kulturoptimismus bewirkt, dass neue Medien benutzt und dabei ihre Eigenschaften erkundet werden. Schreibtafeln gibt es seit der Antike, PowerPoint seit 1984. Den Umgang mit einem relativ neuen Medium zu erlernen ist eine Chance, die man wahrnehmen sollte.

 

Was PowerPoint gegenüber dem Tafelbild an Spontanität fehlt, kann es durch wohlüberlegte Vorbereitung und handwerklich besserer Darstellung (gerade striche und Formen, lesbare Schrift) auf alle Fälle wieder wett machen.

 

Normalerweise verbringt man viel Zeit mit dem Entziffern der Handschrift des Dozenten. Das fällt bei einer PowerPoint-Folie weg.

 

Eine Präsentation gibt eine vorher festgelegte Struktur vor, so kann PowerPoint beim Entwickeln von Strukturen helfen. Soll die Struktur gemeinsam mit den Lernenden entwickelt werden, ist PowerPoint das falsche Werkzeug. Man schlägt keinen Nagel mit einem Schraubenzieher ein.

 

Aber durch eine modulare Struktur lässt sich auch mit PowerPoint nichtlinear erzählen. Dabei helfen Übersichtsfolien mit Links / Triggern zu den einzelnen Themengebieten und optionalen Detail-vertiefungen. Siehe auch die Funktion »Benutzerdefinierte Bildschirmpräsentation«.

 

Überforderung / Langeweile kommt bei Vorträgen auf, wenn textlastige Folien vom Referenten nacherzählt werden. Das ist aber auch nicht der Fehler von PowerPoint. Mehrere Sinneskanäle (hören – sehen / lesen) gleichzeitig aber asynchron (man hört nicht genau das, was man liest) anzusprechen, erschwert die Konzentration und senkt die Behaltensrate.

 

Im Gegensatz zum klassischen Tafelbild kann mit PowerPoint besser und eindrücklicher visualisiert werden – wenn man sich vorher Gedanken macht. Der Einsatz von Farben, und das schrittweise Aufbauen von komplexeren Strukturen, zum Beispiel mit Hilfe von Animationen, kann helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen.

 

In der analogen Welt muss man alles, was man zeigen will, physikalisch «dabei haben«: Das Skelett der Schlange, um die Rippen zu sehen, das Modell des Zweitakt-Motors, um die Funktion des Kolbens zu zeigen, 100.000 Volt Hochspannung samt mangelhaftem Isolator, um Spannungsüberschläge zu demonstrieren. Und auch wenn letzteres Beispiel »in echt« allein schon ob des Kraches eindrücklicher ist, führt der Einsatz von Bildern und Videos auch in der letzten Reihe des Hörsaals aufgrund von besserer Erkennbarkeit zu mehr Erkenntnis.

 

PowerPoint ist ein wunderbar geeigneter Träger für Multimedia. Im Gegensatz zu vorgefertigten Lehrfilmen kann hier der Dozent genau die nötige Detailtiefe herstellen.

 

PowerPoint bietet »mehr Platz« als die übliche Tafel. So kann man auch wichtige Details besser visualisieren.

 

Wie bei jedem elektronischen Medium/Dokument besteht die Möglichkeit, an Struktur und Inhalt zu feilen, ohne alles komplett neu aufbauen / schreiben / zeichnen zu müssen.

 

Die Möglichkeit der Wiederverwendung von bereits Erarbeitetem ermöglicht es, sich auf die Aufbereitung neuer Erkenntnisse zu konzentrieren.