Know How, PowerPoint

Wie bekomme ich einen roten Faden in meine Präsentation?

Bestimmt haben Sie auch schon Vorträge erlebt, die irgendwie anfingen und dann – gottseidank – auch irgendwann zu Ende waren. Dazwischen…nunja…Zeug. Es ging schon um Irgendetwas, aber den Gedankengängen des Vortragenden zu folgen war schwierig, weil sich Ihnen als Zuhörer die Zusammenhänge im wild umherspringenden Faktengemetzel nicht so recht erschlossen haben. Was gefehlt hat, ahnen Sie schon: Der rote Faden. 



Anseilen bitte
Der rote Faden ist ein Halteseil für die Zuhörer, dass sich vom Anfang Ihres Vortrags zu seinem Ende spannt. Um es am Ende festmachen zu können, müssen Sie natürlich wissen, wo das Ende ist. Was heißt: Der Vortrag braucht eine Richtung und eine Struktur.

Vortrag und Präsentation gehorchen hier denselben Regeln. Eine Präsentation ist ja auch nur ein Vortrag mit Visualisierungen. So schreibe ich hier weiter »Vortrag«. Ist kürzer.

Der goldene Boden
Dass Sie sich in dem Fachgebiet, über das Sie vortragen sollen, Tip top auskennen, ist die Voraussetzung für alles. Ihre Fachkompetenz ist der Boden auf dem Ihr ganzer Vortrag steht.

Das Ziel
Bevor Sie überhaupt irgendetwas an Ihrem Vortrag schrauben, beantworten Sie die Frage: Warum halten Sie den Vortrag? Was wollen Sie damit erreichen? »Nur informieren« ist zu wenig. In den Informationen stecken Erkenntnisse und damit Handlungsanweisungen. Und da ist das Ziel ihres Vortrags: Die Zuhörer sollen danach etwas tun. Ein Produkt kaufen. Die nächsten Projektschritte absegnen. Und da ist das Ende des roten Faden festgeknotet.

Strecken oder bücken?
Eine wichtige Überlegung: Wie hoch hängen Sie den roten Faden? Ist es ein Vortrag für Fachpublikum mit vielen technischen Details, oder ist das Ganze eher für Entscheider gedacht, die das große Bild brauchen? Genau hier geht es um die Zielgruppe. Der rote Faden muss für die Zuhörer in Reichweite sein, sonst kann er keine Halteleine sein.

Der Rahmen für das Bild
Nachdem Sie jetzt festgelegt haben, für wen Sie den Vortrag halten und welches Ziel Sie haben, strukturieren Sie den Inhalt. Zuerst die Menge. Wie heißt es so schön: »Sie können über alles reden, nur nicht über 45 Minuten.« Die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer hat Grenzen. Eine Vortragsdauer von 20 Minuten ist optimal, reden Sie länger als 45 Minuten, verlieren die Zuhörer schon aus Erschöpfung den Faden.

Mit Blick auf Ihre Zielgruppe ziehen Sie eine Line bezüglich der Inhaltstiefe. Welche Details sind nötig, welche nur unnötiger Schmuck? Stutzen Sie das Themengebiet zurecht, bis es für die Zielgruppe und den Zeitrahmen passt.

Den Faden weben
Nachdem Sie die fachliche und zeitliche Ausdehnung Ihres Vortrags festgelegt haben, kümmern Sie sich um die Struktur. Viele halten einen Vortrag wie einen Krimi: Die Auflösung gibt es zum Schluss, denn sonst hört einem ja keiner mehr zu, wenn man das Ergebnis gleich am Anfang »verrät«.

Das Gegenteil ist der Fall. Wenn der Zuhörer die ganze Zeit versuchen muss zu erraten, worauf der Vortrag hinausläuft, verliert er schnell die Aufmerksamkeit und, ja, den roten Faden.

Um den roten Faden in ein dickes Tau zu verwandeln, hat sich der didaktische Dreisatz bewährt:

1. Sie sagen, was Sie gleich sagen werden.
2. Dann sagen Sie es.
3. Danach wiederholen Sie, was Sie gerade gesagt haben.

Das machen Sie natürlich nicht bei jedem Satz, aber bei jedem neuen Themenblock. So kann der Zuhörer bei ihrem Vortrag am Ball bleiben und muss nicht gleichzeitig versuchen herauszufinden, wohin die Reise geht. Der Ausblick und der Rückblick erhöhen zudem wie eine Wiederholung die Behaltensrate.

Das Gewebe verdichten
Wenn Sie am Anfang eines Themenblocks einen Ausblick geben, sparen Sie eine Menge Zeit. Diese gesparte Zeit können Sie für verschiedene Zwecke verwenden:

1. Den Vortrag kürzer gestalten
2. Langsamer voranschreiten

Zeit haben und sich Zeit lassen können trägt in hohem Maße dazu bei, einen für den Zuhörer übersichtlichen und gut gegliederten Vortrag zu halten. Und *schwupp*, da ist er auch der rote Faden.

Visuelle Führung
Falls Sie nicht nur ein Redner, sondern auch ein Präsentator sind, wird irgendwo ein Beamer summen, der Folien hinter Ihnen auf eine Leinwand projiziert. Zeigen Sie auf den Folien nur das, was sie nicht erzählen. Die Projektion muss einen Mehrwert zu Ihrer Rede bringen. Visualisieren Sie also nur das, was so einfach nicht gesagt werden kann. Wenn Sie Strukturen, Abläufe und Agenden präsentieren, layouten Sie mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der Zuhörer in Sekundenschnelle erkennen können muss, worüber Sie jetzt gerade sprechen. Im Gewirr von übervollen Folien reißt der rote Faden mit einem unhörbaren Knall.

Fazit
Die Erschaffung des roten Fadens bei einem Vortrag oder einer Präsentation beginnt bei der Vorbereitung. Die Festlegung der Dauer der Rede und Ausmaß und Detailtiefe des Stoffes bilden die Grundlage der Struktur. Der didaktische Dreisatz erleichtert dem Zuhörer das am Ball bleiben und wenn Sie zusätzlich mit guten und wohldosierten Visualisierungen und Zeigehilfen auch im optischen Teil der Veranstaltung gut führen, wird kein Schäfchen unterwegs verloren gehen.

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